Häufig gestellte Fragen

Handlungsbedarf des Grundstückseigentümers

Wer ist für die Grundstücksentwässerungsleitungen verantwortlich?

Rechtlich gesehen (§ 61 (2) WHG) ist der Grundstückseigentümer Betreiber der auf dem Grundstück befindlichen Abwasseranlage und somit für den ordnungsgemäßen Bau und Betrieb der Anlage nach  den "allgemein anerkannten Regeln der Technik" verantwortlich.

Wie sollte der Grundstückseigentümer vorgehen?

  • Beschaffen der Entwässerungssatzung der Kommune
  • In Erfahrung bringen, ob das Grundstück in einer Wasserschutzzone liegt (danach richten sich die Fristen zur Dichtheitsprüfung)
  • Informationen beim Netzbetreiber über Dichtheitsprüfung und Sanierung einholen
  • Beschaffung vorhandener Unterlagen (Grundstückspläne und Bauzeichnungen, Prüfprotokolle der Leitungen, Bauabnahmebescheinigungen, Inspektionsberichte)
  • Nachfragen bei der Kommune über
    Schnittstelle öffentlich-privat
    Prüfumfang
    Geforderte Prüfverfahren
    Umgang mit Dränageanschlüssen
    Fristen
    Anforderungen zu Sachkundigen
    Empfehlungen von Sanierungsfirmen
  • Klärung des Leitungsverlaufs soweit möglich
  • Prüfen, ob eine ausreichende Sicherheit gegen Rückstau aus dem öffentlichen Kanal vorhanden ist
  • Prüfung der Zugänglichkeit von Revisionsöffnungen und Schächten
  • In der Vergangenheit aufgetretene Probleme mit der Abwasserentsorgung zusammenstellen
  • Prüfung, ob Entwässerungsgegenstände, die in eine Grundleitung unterhalb der Bodenplatte entwässern, abgeklemmt oder über Hebeanlagen an Leitungen unter der Kellerdecke angeschlossen werden können.
  • Prüfen, ob schadhafte Abwasserleitungen über die Gebäudeversicherung abgedeckt sind
  • Zusammenschluss mit benachbarten Grundstückseigentümern
  • Beauftragung einer sachverständigen (!!) Firma mit der Reinigung und Dichtheitsprüfung der Grundstücksentwässerung
  • ggf. Beauftragung einer sachverständigen (!!) Firma mit der Planung und Durchführung der Sanierung der Grundstücksentwässerungsanlagen und der Ausstellung der Dichtheitsbescheinigung
  • Auf Anfrage Vorlage der Dichtheitsbescheinigung bei der Kommune

Bis wann muss die Grundstücksentwässerung inspiziert bzw. auf Dichtheit geprüft werden?

Bei Neubau bzw. bei wesentlichen Umbauten der Entwässerungsanlage ist diese direkt nach Herstellung auf Dichtheit zu prüfen.

Bestehende Grundstücksentwässerungsanlagen sollten nach dem technischen Regelwerk (DIN 1986 Teil 30 ) bis Ende 2015 auf Dichtheit geprüft werden. Allerdings ist diese Fristsetzung in der DIN 1986 Teil 30 juristisch umstritten. Unabhängig hiervon können aber die Wassergesetze der Länder und die kommunalen Satzungen Fristen verbindlich vorschreiben. In NRW kann Ihre Stadt/Gemeinde außerhalb von Wasserschutzgebieten auch abweichende Fristen festlegen, welche bis zum Jahr 2023 reichen können. Die für Sie zutreffende Frist kann bei Ihrer Stadt bzw. Gemeinde oder Ihrem Entwässerungsbetrieb erfragt werden. Die für Sie zutreffende Frist kann bei Ihrer Stadt bzw. Gemeinde oder Ihrem Entwässerungsbetrieb erfragt werden.

Auch kürzere Fristen sind grundsätzlich möglich, wenn dies im Zusammenhang mit dem Ausbau oder der Instandhaltung der örtlichen Kanalisation steht und der Gefahrenabwehr dient.

Was tun, bei schadhaften Leitungen und Schächten?

Wenn bei der Überprüfung der Grundstücksentwässerungsanlage Schäden festgestellt wurden, so muss der Grundstückseigentümer diese sanieren lassen, um den ordnungsgemäßen Dichtheitsnachweis erbringen zu können.

Bestandteile der Grundstücksentwässerung

Wo liegen die Grundstücksentwässerungsleitungen?

Häufig kann der Leitungsverlauf anhand vorhandener Planunterlagen festgestellt werden. Aber Vorsicht:! Die Pläne müssen nicht unbedingt dem tatsächlichen Bestand entsprechen. Wichtige Orientierungspunkte sind Revisionsöffnungen, Schächte und Fallleitungen. Bei Unsicherheiten kann häufig auch mit eingefärbtem Wasser der Leitungsverlauf geklärt werden.

Muss ein Kontrollschacht auf dem Grundstück vorhanden sein?

Kontrollschächte auf dem Grundstück dienen dazu die Reinigung, Inspektion und Sanierung der Grundstücksentwässerungsleitungen zu erleichtern. Die Kommune kann per Satzungsbeschluss einen Kontrollschacht , auch den nachträglichen Einbau, fordern.

Darf meine Dränage an die öffentliche Kanalisation angeschlossen werden?

Dränagewasser ist Fremdwasser und darf grundsätzlich nicht in die öffentliche Kanalisation gelangen. Bei bestehenden Dränagen werden von den Kommunen aber häufig Sondergenehmigungen erteilt. Zur Vermeidung des Rückstaus aus dem öffentlichen Kanal muss das Dränagewasser aber über eine Pumpe angeschlossen werden (siehe auch Kap.7). 17.3 Dichtheitsprüfung

Beweist eine Kamerainspektion die Dichtheit?

Ob eine Leitung wirklich dicht ist, kann mit einer Kamerainspektion nicht sicher nachgewiesen werden. Sichtbare Risse, Rohrbruch, Wurzeleinwuchs etc. sind aber sichere Indizien für undichte Leitungen. Die DIN 1986-30 und auch die Landesbauordnung lässt dieses Verfahren aber als eine Möglichkeit zum Nachweis der Dichtheit zu. Die Kommune kann festlegen, welches Prüfverfahren zu wählen ist.

Wer führt Dichtheitsprüfungen durch?

Laut DIN 1986-30, der Landesbauordnung und den Satzungen vieler Städte und Gemeinden sollten Dichtheitsprüfungen von Sachkundigen durchgeführt werden. Die Anforderungen an Sachkundige oder sogar die namentliche Benennung Sachkundiger Firmen geben viele Kommunen vor. Anerkannt werden dann nur die Dichtheitsnachweise, die den Vorgaben entsprechen.

Muss die Dichtheitsprüfung regelmäßig wiederholt werden?

Laut DIN 1986-30 und der Landesbauordnung NRW ist eine Zustandskontrolle in Anlagen für häusliches Abwasser alle 20 Jahre durch eine Befahrung per TV-Kamera zu wiederholen. Für gewerbliches und industrielles Abwasser gelten kürzere Fristen.

Sanierung

Müssen schadhafte Leitungen und Schächte immer komplett erneuert werden?

Es gibt inzwischen einige Sanierungsverfahren, die eine Reparatur oder Renovierung der Grundstücksentwässerung ohne das Freilegen der Leitungen in einem offenen Graben ermöglichen. Da jede Grundstücksentwässerungsanlage ein ganz individuelles System mit den unterschiedlichsten Randbedingungen darstellt, ist bei der Auswahl des Sanierungsverfahrens unbedingt ein Fachkundiger hinzu zu ziehen.

Wie kann eine undichte Leitung unter der Bodenplatte des Gebäudes saniert werden?

Grundsätzlich ist die Verlegung von Leitungen unter der Bodenplatte keine instandhaltungsgerechte Lösung und sollte vermieden werden. Wurden aber im Bestand Schäden in Leitungen unter der Bodenplatte festgestellt, so sollte geprüft werden, ob diese Leitungen nicht still gelegt und unter die Kellerdecke  umgelegt werden können. Alternativ können die neuen Leitungen auch in der Kellersohle in einer Leitungsrinne (U-Profil aus Beton mit Abdeckung) verlegt werden (siehe Kap.15.1).

Dies sind sicher die nachhaltigsten Lösungen. Abhängig von den grundstücksspezifischen Randbedingungen kann in Abstimmung mit einem Sachkundigen auch ein grabenloses Sanierungsverfahren anwendbar und wirtschaftlich sein.

Kosten

Was kostet eine Dichtheitsprüfung? 

Die Kosten für die Prüfung einer Grundstücksentwässerungsanlage sind nicht pauschal bestimmbar. Sie sind abhängig von

  • der Länge und dem Verlauf der Leitungen,
  • dem Grad der Verzweigung und
  • der Zugänglichkeit (z.B. mit/ohne Schacht).

Der Leistungsumfang einer Dichtheitsprüfung beinhaltet in der Regel:

  • An- und Abfahrt TV-Inspektion- u. Hochdruckspüleinheit (2 Mann Bedienungspersonal)
  • Hochdruckreinigung der Leitungen und Kontrollschächte
  • Zustandserfassung der Leitungen und Kontrollschächte (Überprüfung der optischen Dichtheit) mittels TV-Inspektion
  • Eventuell Dichtheitsprüfung mit Wasser (Füllstandsuntersuchung)
  • Ortung- und Erfassung sowie Dokumentation des gesamten Grundstücksentwässerungssystems (Markierungspunkte: Bögen, Abzweige und Gebäudeanschlüsse bzw. –übergänge, etc. und Aufmass der Markierungspunkte, bezogen auf das vorhandene Gebäude.)
  • Dokumentation der TV-Inspektion bzw. Prüfergebnisse bei einer Dichtheitsprüfung mit Wasser (Untersuchungs-, Prüfprotokolle, Fotos der Einzelschäden, Kanalvideos auf Bestandslageplan gemäß DIN 1986-30
  • Schriftliche Dichtheitsbescheinigung.

Sind Schäden der Grundstücksentwässerungsleitungen über die Gebäudeversicherung abgedeckt?

Es gibt Versicherungspolicen, die gewisse Schäden an Abwasserleitungen unter bestimmten Bedingungen abdecken. Versichert sind - wenn überhaupt – i.d.R. nur Schäden , die durch Frost oder äußere Einwirkungen entstanden sein können. Die Schäden sind in jedem Fall mit Videoaufnahmen zu dokumentieren. Eine Klärung kann aber nur die Rücksprache mit der Versicherung bringen.

Wie können die Kosten für die Inspektion und Sanierung reduziert werden?

Folgende Möglichkeiten stehen dem Grundstückseigentümer zur Reduzierung der Kosten zur Verfügung:

  • Zeit- und damit Kostenersparnis bei den durchzuführenden Maßnahmen durch Bereitstellung der verfügbaren Unterlagen (Leitungsverlauf, Revisionsöffnungen)
  • Zugänglichkeit der Revisionsöffnungen gewährleisten
  • Kurz- und mittelfristig geplante Umbau- und Erneuerungsmaßnamen in die Überlegungen zur Sanierung der Leitungen einbeziehen
  • Zusammenschluss mit benachbarten Grundstückseigentümern, evt. gemeinsame Vergabe an einen Unternehmer
  • Fachkundige Beratung durch die Kommune zur Vermeidung unnötiger, kostspieliger Maßnahmen
  • Fachkundige Beratung durch Unternehmen/Ingenieurbüros