Wohin mit dem Regenwasser ?

In einem natürlichen Wasserkreislauf versickert ein großer Teil des anfallenden Regenwassers vor Ort und nur ein geringer Teil läuft oberflächig ab. Dadurch wird das Grundwasser immer wieder neu gebildet und das natürliche Kleinklima bleibt erhalten (Bild 1).

Durch die Bebauung werden die Flächen versiegelt und das Regenwasser kann nur oberflächig abfließen, was zu folgenden negativen Auswirkungen führt (Bild 2):

  • Hoher schneller Abfluss in die Kanalisation, die dadurch größer ausgelegt werden und Regenrückhaltebauwerke erhalten muss,
  • Hochwasserereignisse,
  • Zusätzlicher Ausbau und Unterhalt der Fließgewässer,
  • Senkung des Grundwasserspiegels,
  • Verschlechterung des Kleinklimas,
  • Verödung von Landschaftsräumen.

Bild 1: Regenwasserabfluss von unbebautem Grundstück (Bild: grundstuecks-entwaesserung.de)<br />1. oberflächiger Abfluss <br />2. Versickerung <br />3. Verdunstung Bild 2: Regenwasserabfluss von bebautem Grundstück (Bild: grundstuecks-entwaesserung.de)<br />1. oberflächiger Abfluss <br />2. Versickerung <br />3. Verdunstung

Bild 1 (links): Regenabfluss von unbebautem Grundstück (Bild: grundstuecks-entwaesserung.de)

Bild 2 (rechts): Regenabfluss von bebautem Grundstück (Bild: grundstuecks-entwaesserung.de)

1. oberflächiger Abfluss
2. Versickerung
3. Verdunstung

Aus diesem Grund wird nach der derzeit gültigen Rechtslage 1 bei Neubauten die Einleitung von unbelastetem oder schwach belastetem Regenwasser und dazu gehört normalerweise das von privaten Grundstücken abfließende Regenwasser, in die öffentliche Kanalisation i.d.R. nicht mehr genehmigt.

Das bedeutet, dass die Genehmigung für den Anschluss an die öffentliche Kanalisation nur für Schmutzwasser erteilt wird. Für die Rückhaltung des Regenwassers ist in einem besonderen Verfahren die Genehmigung der Unteren Wasserbehörde bzw. der Stadt einzuholen.

Von der Verpflichtung zur Rückhaltung des Regenwassers kann nur dann eine Ausnahme erreicht werden, wenn das Wohl der Allgemeinheit beeinträchtigt oder der technische oder wirtschaftliche Aufwand unverhältnismäßig ist Die für eine Befreiung notwendigen Nachweise hat der jeweilige Grundstückseigentümer beizubringen.

Neben den ökologischen Aspekten sprechen aber auch wirtschaftliche Gründe für die Rückhaltung von Regenwasser auf dem Grundstück. So kann durch die Nutzung von Regenwasser (Regenwasserbewirtschaftung) das teure Trinkwasser eingespart werden. Außerdem lassen sich die Abwassergebühren (siehe Wie setzen sich die Abwassergebühren zusammen?) durch die Reduzierung der angeschlossenen Flächen senken.

Welche Möglichkeiten gibt es zur Regenwasserbewirtschaftung gibt es?

Zur Reduzierung der in die Kanalisation abgeleiteten Regenwassermenge gibt es drei Möglichkeiten:

Die in der Praxis angewendeten Verfahren werden folgend erklärt.

Regenwassernutzung

Regenwasserspeicher (Regentonne oder unterirdisch)

Funktionsbeschreibung: Regenwasser wird zu Nutzungszwecken zwischengespeichert, Überlauf wird an die Kanalisation oder Versickerung angeschlossen

Anwendungsbereich: Zur Gartenbewässerung

Vor-, Nachteile: Niederschlagsspitzen werden gedrosselt in den Kanal eingeleitet

Bild 3: Regenwasserspeicher (Regentonne oder unterirdisch) (Bild: grundstuecks-entwaesserung.de)  <br />1. Wirbelfeinfilter <br />2. Anschluss an Kanalisation <br />3. Regenwasserzulauf mit Prallplatte <br />4. Notüberlauf <br />5. Versickerungstank <br />6. Ansaugschlauch <br />7. Schwimmkörper <br />8. Hauswasserwerk <br />9. Regenwassertank mit Schacht

Bild 3: Regenwasserspeicher (Regentonne oder unterirdisch) (Bild: grundstuecks-entwaesserung.de)

1. Wirbelfeinfilter
2. Anschluss an Kanalisation
3. Regenwasserzulauf mit Prallplatte
4. Notüberlauf
5. Versickerungstank
6. Ansaugschlauch
7. Schwimmkörper
8. Hauswasserwerk
9. Regenwassertank mit Schacht

 

Regenwassernutzungsanlagen

Funktionsbeschreibung: Neben der Speicherung wird eine Nutzungsanlage des Regenwassers installiert

Anwendungsbereich: für Gartenbewässerung, WC, Waschmaschine

Vor-, Nachteile: Niederschlagsspitzen werden gedrosselt in den Kanal eingeleitet, Trinkwasser wird eingespart, aber späterer Einbau des zweiten Leitungssystems ist aufwändig

Bild 4: Regenwassernutzungsanlagen (Bild: grundstuecks-entwaesserung.de)

Bild 4: Regenwassernutzungsanlagen (Bild: grundstuecks-entwaesserung.de)

 

Regenwasserspeicherung mit gedrosselter Ableitung

Teich, Biotop

Funktionsbeschreibung: Regenwasser wird oberflächig einem Teich mit Überlauf zur Versickerung zugeleitet und dort zwischengespeichert

Anwendungsbereich: Bei mäßig bis gut durchlässigem  Untergund

Vor-, Nachteile: Niederschlagsspitzen werden gedrosselt, regelmäßige Wartung des Teiches erforderlich

Bild 5: Teich, Biotop (Bild: grundstuecks-entwaesserung.de)  <br />1. oberflächiger Zufluss <br />2. Grobsandfilter <br />3. Teichbiotop <br />4. Muldenversickerung <br />5. Oberboden <br />6. anstehender Boden <br />8. Abdichtung

Bild 5: Teich, Biotop (Bild: grundstuecks-entwaesserung.de)

1. oberflächiger Zufluss
2. Grobsandfilter
3. Teichbiotop
4. Muldenversickerung
5. Oberboden
6. anstehender Boden
8. Abdichtung

 

 

Dachbegrünung

Funktionsbeschreibung: Speicherung und Drosselung des Regenwassers durch durch Begrünung geeigneter Dächer

Anwendungsbereich: Flachdächer und Dachneigungen bis 25 °

Vor-, Nachteile: Niederschlagsspitzen werden gedrosselt, gute Wärmedämmung, Mikroklimaverbesserung

Bild 6: Dachbegrünung  (Bild: grundstuecks-entwaesserung.de)  <br />1. Vegetationsschicht <br />2. Geotextil <br />3. Substratschicht <br />4. Wurzelschicht <br />5. Trennschicht/Abdichtung <br />6. Dachisolierung <br />7. Regenwasserfallrohr

Bild 6: Dachbegrünung (Bild: grundstuecks-entwaesserung.de)

1. Vegetationsschicht
2. Geotextil
3. Substratschicht
4. Wurzelschicht
5. Trennschicht/Abdichtung
6. Dachisolierung
7. Regenwasserfallrohr

 

Versickerung

Flächenversickerung

Funktionsbeschreibung: Flächenförmige Versickerung des Regenwassers über eine durchlässige Oberfläche

Anwendungsbereich: Bei gut durchlässigem Untergrund, bei Flächen mit Nutzung z.B. als Parkflächen

Vor-, Nachteile: Geringer technischer Aufwand aber großer Flächenbedarf

Bild 7: Flächenversickerung  (Bild: grundstuecks-entwaesserung.de)  <br />1. Rasengittersteine <br />2. Bepflanzung <br />3. Oberboden <br />4. Sandschicht <br />5. Kiesschüttung <br />6. anstehender Boden

Bild 7: Flächenversickerung (Bild: grundstuecks-entwaesserung.de)

1. Rasengittersteine
2. Bepflanzung
3. Oberboden
4. Sandschicht
5. Kiesschüttung
6. anstehender Boden

 

 

 Muldenversickerung

Funktionsbeschreibung: Aufnahme des Oberflächenwassers in der Mulde und flächenförmige Versickerung durch eine belebte Bodenschicht

Anwendungsbereich: Bei mäßig durchlässigem Untergrund, wenn kein ausreichender Platz für Flächenversickerung zur Verfügung steht.

Vor-, Nachteile: Geringer Aufwand für Bau und Wartung, gute Reinigungsleistung aber 10-20% der angeschlossenen Fläche als Flächenbedarf für den Bau der Mulden.

Bild 8: Muldenversickerung  (Bild: grundstuecks-entwaesserung.de)  <br />1. Regenwasserfallrohr <br />2. Rinne <br />3. oberflächiger Zufluss <br />4. Rasenfläche <br />5. Erosionsschutz <br />6. Mulde <br />7. Maximalwasserstand <br />8. versickerungsfähiger Boden <br />9. anstehender Boden

Bild 8: Muldenversickerung (Bild: grundstuecks-entwaesserung.de)

1. Regenwasserfallrohr
2. Rinne
3. oberflächiger Zufluss
4. Rasenfläche
5. Erosionsschutz
6. Mulde
7. Maximalwasserstand
8. versickerungsfähiger Boden
9. anstehender Boden

 

Rohrrigolenversickerung

Funktionsbeschreibung: Versickerung über einen künstlich eingebrachten Kieskörper mit großem Rückhaltevermögen. Statt des Kieskörpers sind auch Versickerungsblöcke aus Kunststoff erhältlich. Über dem Kieskörper kann noch eine Mulde angeordnet werden, im Kieskörper zusätzlich noch ein ein Dränagerohr verlegt werden

Anwendungsbereich: Bei gut durchlässigem Untergrund

Vor-, Nachteile: Geringer Flächenbedarf, Oberfläche steht der Nutzung zur Verfügung

Bild 9: Rohrrigolenversickerung (Bild: grundstuecks-entwaesserung.de)  <br />1. Rasenfläche <br />2. Mutterboden <br />3. Ausgleichsschicht <br />4. bindiger Boden <br />5. versickerungsfähiger Boden <br />6. Filterkies <br />7. Dränrohr

Bild 9: Rohrrigolenversickerung (Bild: grundstuecks-entwaesserung.de)

1. Rasenfläche
2. Mutterboden
3. Ausgleichsschicht
4. bindiger Boden
5. versickerungsfähiger Boden
6. Filterkies
7. Dränrohr

 

 

Schachtversickerung

Funktionsbeschreibung: Punkförmige Versickerung direkt in tiefergelegene, sickerfähige Schicht

Anwendungsbereich: Bei gut durchlässigem Untergrund, bei geringem Flächenangebot

Vor-, Nachteile: Geringer Flächenbedarf aber bei Verstopfung aufwändige Sanierung

Bild 10: Schachtversickerung  (Bild: grundstuecks-entwaesserung.de)  <br />1. oberflächiger Zulauf <br />2. Oberboden <br />3. Verfüllung <br />4. schlecht durchlässige Bodenschicht <br />5. versickerungsfähige Schicht <br />6. Schachtabdeckung mit Einlauföffnungen und Schmutzfang <br />7. Filterkies

Bild 10: Schachtversickerung (Bild: grundstuecks-entwaesserung.de)

1. oberflächiger Zulauf
2. Oberboden
3. Verfüllung
4. schlecht durchlässige Bodenschicht
5. versickerungsfähige Schicht
6. Schachtabdeckung mit Einlauföffnungen und Schmutzfang
7. Filterkies

 

 

Welches Verfahren ist geeignet?

Voraussetzung für eine funktionstüchtige Versickerungsanlage ist ein wasserdurchlässiger Boden z.B. kiesig, sandig, eine ausreichend große Fläche und möglichst niedriger Grundwasserstand 2.

Sie müssen also, bevor Sie sich für eine Versickerungsanlage entscheiden, ermitteln, wie viel Wasser Ihr Boden aufnehmen kann. Hierzu gibt es einen schnellen und einfachen Eigenversuch. Es ist wichtig den Versickerungsversuch in der Tiefenlage auszuführen, in der später die geplante Versickerungsanlage erstellt werden soll. Als Anhaltspunkt gelten folgende Tiefen:

  • Muldenversickerung ca. 40 cm tief
  • Rohr-Rigolenversickerung ca. 60 cm tief
  • Schachtversickerung ca. 1,00 m tief.

Sie benötigen für die Durchführung des Versuches:

  • Spaten
  • Zollstock
  • Klebeband
  • Uhr
  • Wasser
  • Kies oder Splitt
  • Papier
  • Bleistift
  • ca. 2 Stunden Zeit.

Versuchsablauf:

  • Im vorgesehenen Versickerungsareal wird eine kleine Grube (Bild 11 links) gegraben. Sie sollte eine Fläche von ca. 50 cm x 50 cm und eine Tiefe von 20 cm unterhalb der Mutterbodenschicht, die i.d.R. ca. 20 cm bis 30 cm stark ist, besitzen.
  • Die Sohle ist eben herzustellen und wird mit einer 1 bis 2 cm starken Kies- oder Splittschicht (kein Sand) bedeckt. Hiermit wird eine Verschlammung der Sickerfläche vermieden.
  • Nun wird ein Metallstab in die die Sohle der Grube eingeschlagen, an dem ein Zollstock so befestigt wird, dass er auf der Sohle aufsteht.
  • Um sichere Ergebnisse zu bekommen, ist es erforderlich den Untergrund zu wässern. Die Grube sollte ca. 1 Stunde vorgewässert werden und darf während dieser Zeit nicht trocken fallen.
  • Anschließend wird die Grube bis zur Unterkante der Mutterbodenschicht mit Wasser gefüllt und die Wasserhöhe mit Klebeband am Zollstock markiert (Bild 11 mittig).
  • Nach ca. 10 Minuten erfolgt eine zweite Ablesung. Uhrzeit und Höhe des Wasserstandes werden notiert (Bild 11 rechts). Die Grube wird wieder mit Wasser aufgefüllt und es beginnt eine neue Messreihe.
  • Um ein zuverlässiges Ergebnis zu erhalten, sind mindestens 3 Versuche durchzuführen. Wenn die Ergebnisse stark voneinander abweichen, auch mehr.

Bild 11: Versuchsablauf zur Bestimmung der Versickerungsfähigkeit des anstehenden Bodens - Schritt 1-3 (Bild: grundstuecks-entwaesserung.de)

Bild 11: Versuchsablauf zur Bestimmung der Versickerungsfähigkeit des anstehenden Bodens - Schritt 1-3 (Bild: grundstuecks-entwaesserung.de)

Versuchsauswertung:

Die Versickerungsfähigkeit lässt sich anhand der abgelesenen Wasserspiegeldifferenz in den 10 Minuten erkennen. Daraus lässt sich die Geschwindigkeit errechnen, mit der das Wasser versickert.

Wasserspiegeldifferenz in cm x 60 Minuten / 10 Minuten = Sickergeschwindigkeit in cm / Stunde

Sickergeschwindigkeit in cm/Stunde Versickerungsfähigkeit Mögliche Versickerungsverfahren
0,1 Sehr gering Nur mit viel Aufwand möglich
0,1 bis 1,0 Gering Mulden-Rigolen- oder Schachtversickerungen, bei großer verfügbarer Fläche u.U. auch Muldenversickerung oder Sickerteich
> 1,0 bis 10 Mittel Mulden-, Rohr-Rigolen-Versickerung, Sickerteich
> 10 bis 50 Hoch Muldenversickerung, Sickerteich
> 50 bis 150 Sehr hoch Mulden-, Flächenversickerung

Unabhängig davon, welches Versickerungsverfahren Sie wählen, ist auf eine ordnungsgemäße Ausführung zu achten, damit Vernässungen vermieden werden und die Anlage lange funktionsfähig bleibt.

  • 1. § 51 a LWG NRW
  • 2. ATV A 138, Planung, Bau und Betrieb von Anlagen zur Versickerung von
    Niederschlagswasser (04/2005)
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