Was ist bei einem neuen Entwässerungsanschluss zu beachten?

In der Entwässerungssatzung einer Kommune werden Vorgaben zur Genehmigung eines neuen Entwässerungsanschlusses (Kanalanschluss) festgelegt. Da die Vorgehensweise und die einzureichenden Unterlagen von der jeweiligen Kommune unterschiedlich festgelegt werden können, sind beim Tiefbauamt diesbezügliche Informationen einzuholen.

In vielen Kommunen gilt die Regelung, dass jeder Grundstückseigentümer das gesamte auf dem Grundstück anfallende Abwasser mit einer eigenen unterirdischen Anschlussleitung in die öffentliche Abwasseranlage einleiten muss. Meistens ist in der Entwässerungssatzung eine Ausnahmeregelung für die Beseitigung von Regenwasser vom Grundstück vorgesehen. Danach sind Versickerung, Nutzung oder Speicherung von Regenwasser gesondert zu beantragen.

Der Weg zur Genehmigung eines neuen Entwässerungsanschlusses

Zur Herstellung eines neuen Kanalanschlusses muss der Anschlussnehmer je nach Vorgabe der Kommune in der Regel folgende Arbeitsschritte beachten:

  1. Einholung der Auskunft über die das Grundstück betreffenden städtischen Abwasserkanäle
  2. Beauftragung eines kompetenten Entwurfsverfassers (Architekt, Ingenieur) mit der Erstellung DIN-gerechter Planungsunterlagen. Dies können je nach Vorgabe der Kommune folgende Unterlagen sein:
    • Antragsformular
    • Baubeschreibung (ggf. Formular) für die geplanten Abwasseranlagen inklusive Materialangaben
    • Amtlicher Lageplan des Grundstücks inklusive der Angaben zu Gebäuden, Kanälen und vorhandenen bzw. geplanten Abwasseranlagen, z.B. Maßstab 1:500
    • Entwässerungsgrundriss, z.B. Maßstab 1:100
    • Entwässerungslängsschnitt, z.B. Maßstab 1:100
    • Bei Gewerbebetrieben: zusätzlich Angabe von Abwasserart und -menge
    • Bei Versickerungsanlagen: hydraulischer Nachweis nach DWA-A 138, Planung, Bau und Betrieb von Anlagen zur Versickerung von Niederschlagswasser 1
    • Bei Einleitung des Regenwassers in die öffentliche Kanalisation: Nachweis, dass die Beseitigung nach § 51 des Landeswassergesetzes NRW nicht möglich ist.
    • Formular zur Benennung der ausführenden, von der Kommune zugelassenen Kanalbaufirma
    • Genehmigungsantrag für Straßenaufbrucharbeiten
  3. Einreichung des Grundstücksentwässerungsantrages
  4. Einholen von Angeboten (ggf. bei Tiefbaufirmen gemäß Firmenverzeichnis des Tiefbauamtes)
  5. Nach Erteilung der Genehmigung innerhalb der Gütigkeitsdauer der Genehmigung (i.d.R. ein Jahr) Beauftragung einer Tiefbaufirma, Eigenleistung ist möglich
  6. Nach erfolgter Bauausführung erfolgt die Bauabnahme, die i.d.R. dem Tiefbauamt rechtzeitig anzuzeigen ist. In vielen Satzungen ist vorgeschrieben, dass nach Herstellung des Kanalanschlusses eine Dichtheitsprüfung im verfüllten Graben durch einen (von der Kommune zugelassenen) Sachkundigen durchgeführt und das Protokoll der Dichtheitsprüfung unaufgefordert vorzulegen ist. Häufig wird gefordert, dass dieser Sachkundige nicht mit der Firma identisch sein darf, die die Anlage gebaut hat.
  7. Anzeige der Baubeendigung der Straßenwiederherstellung und Abnahme durch das Tiefbauamt

Tipps zur Bauausführung

Fehler in Ihrer Grundstücksentwässerung können Rückstau ins Gebäude und Überflutungen zur Folge haben und hohe Schäden an Gebäuden und Hausrat anrichten. Das kostet den Grundstückseigentümer viel Zeit und Geld!

Zur Sicherstellung einer fachgerechten und einwandfrei funktionierenden Grundstücksentwässerungsanlage sind daher insbesondere folgende Aspekte zu beachten:

Rohrdimensionierung

Zu beachten: Die Nennweite der Rohre sollte mindestens 100 mm betragen. Der Anschluss an den öffentlichen Kanal muss einen Durchmesser von mindestens 150 mm haben. Die Auslegung muss anhand einer hydraulischen Berechnung erfolgen.

Mögliche Fehler: Unzureichend dimensionierte Rohrnennweiten

Mögliche Folgen: Hydraulischen Überlastungen in den Regen- und Mischwasserleitungen oder Verstopfungen in den Schmutzwasserleitungen.

Gefälle der Anschlussleitung

Zu beachten: Das Gefälle der Anschlussleitung muss mindestens 1% betragen

Mögliche Fehler: Verlegung der Grundleitungen ohne ausreichendes Gefälle

Mögliche Folgen: Es bilden sich Ablagerungen, die Leitungen verstopfen, es kommt zum Rückstau und im ungünstigsten Fall zu Überflutungen.

Rohrverbindungen

Zu beachten: Es sind Rohre zu verwenden, die den geltenden DIN-Normen entsprechen 2

Mögliche Fehler: Nicht fachgerecht ausgeführte Rohrverbindungen (z.B. fehlende oder falsch eingelegte Dichtringe)

Mögliche Folgen:

  • Austritt von Abwasser und damit Schadstoffeintrag in Grundwasser und Boden
  • Eindringen von Grundwasser und Boden in die Leitung
  • ggf. Änderungen der Bettungsbedingungen durch Bodeneintrag mit Folgeschäden wie z.B. Lageabweichung, Verformung, Risse, Rohrbruch oder Einsturz
  • Einwuchs von Wurzeln

Anschluss an die öffentliche Abwasseranlage

Zu beachten: In Trennsystemen muss die Schmutzwasserleitung an den Schmutzwasserkanal und die Regenwasserleitung an den Regenwasserkanal angeschlossen werden.

Mögliche Fehler: Unsachgemäße Einbindung von Anschlusskanälen z.B. durch Aufstemmen des Kanals

Mögliche Folgen: Abgesehen von der Beschädigung des Straßenkanals wird keine dauerhafte, wasserdichte und gelenkige Verbindung gewährleistet.

Dokumentation der Grundstücksentwässerungsanlagen

Zu beachten: Bei der Erstellung der Grundstücksentwässerungsanlagen sind Bestandspläne anzufertigen.

Mögliche Fehler: Unvollständige oder fehlende Pläne

Mögliche Folgen: Erschwernis beim Wiederauffinden der Leitungen zu Inspektions-, Wartungs-und Sanierungszwecken.

Rückstausicherung

Zu beachten: Die Grundstücksentwässerungsanlage ist für den Fall abzusichern, dass die öffentliche Kanalisation das Abwasser aus dem Grundstück nicht mehr aufnehmen kann. (siehe Kapitel: Rückstausicherung)

Mögliche Fehler: Fehlende oder falsch eingebaute Rückstausicherung

Mögliche Folgen: Rückstau von Abwasser aus der öffentlichen Kanalisation mit den Schadensfolgen:

  • Schlamm- und Fäkalienablagerungen im Keller
  • Zerstörung von Mobiliar, Elektrogeräten, Wandbekleidungen, Stromleitungen in den Wänden etc.
  • Geruchsprobleme und Bauwerksdurchfeuchtung
  • Gesundheitsrisiken durch Keime im Abwasser

Betrieb und Wartung

Zu beachten: Die Anlage ist wartungsfreundlich zu errichten, d.h. es sind Revisionsöffnungen vorzusehen und der Leitungsverlauf innerhalb des Gebäudes sollte zugänglich sein. Es sollte grundsätzlich ein Kontrollschacht aus Kunststoff (40 cm Durchmesser) oder Beton (100 cm Durchmesser) auf dem Grundstück vorhanden sein. Abwasserleitungen bei unterkellerten Gebäuden sind an der Kellerdecke oder an den Kellerwänden frei zugänglich anzuordnen. Möglich ist auch die Verlegung in einem Leitungskanal (siehe Kapitel: Wie kann saniert werden?)

Bei Gebäuden ohne Keller sind die Leitungen auf kürzestem Wege geradlinig unter dem Gebäude herauszuführen

Mögliche Fehler: Fehlende Revisionsöffnungen und schlecht zugängliche Leitungen Einsatz ungeeigneter Reinigungsverfahren oder –geräte bzw. deren falsche Handhabung

Mögliche Folgen:

  • Verstopfte Leitungen können nicht gereinigt werden.
  • Erhöhter Aufwand für die Instandhaltung
  • Mechanische Beschädigungen von Rohren durch unsachgemäße Reinigung

Was kostet ein Neuanschluss?

Für einen neuen Entwässerungsanschluss muss der Bauherr folgende Kostenfaktoren einkalkulieren:

  • Kosten für die Planung und den Bau der Entwässerungsanlagen
  • Einmaliger Kanalanschlussbeitrag

Der Kanalanschlussbeitrag wird von fast allen Kommunen erhoben zur Refinanzierung der Investitionsaufwendungen für die Abwasserentsorgungsanlagen. Die Berechnungsgrundlage für diesen Beitrag muss in der Entwässerungsgebührensatzung festgelegt sein. Es existieren unterschiedliche Bemessungsansätze. Am weitesten verbreitet ist der sogenannte „Vollgeschossmaßstab“. Hierbei wird die Grundstücksfläche mit der Anzahl der Vollgeschosse gewichtet und so eine „beitragsfähige Grundstücksfläche“ ermittelt, für die ein in der Satzung festgelegter Beitragssatz erhoben wird.

Beispiel zur Berechnung des Kanalschlussbeitrags

Beitrag [EUR] = Grundstücksgröße [m²] x Beitragssatz [EUR / m²] x Faktor 1 x Faktor 2 x Faktor 3

Hierin ist:

Grundstücksgröße [m²] = tatsächliche Grundstücksgröße laut Kataster

Beitragssatz [EUR / m²] = Grund-Beitragssatz gemäß Abwassergebührensatzung

Faktor 1= Art der Nutzung, differenziert nach Wohngebiet, Kerngebiet, Gewerbegebiet, Industriegebiet

Faktor 2 = Maß der Nutzung, abhängig von der Geschosszahl

Faktor 3 = Art des Anschlusses, differenziert nach häuslichem Schmutzwasser, Niederschlagswasser, Vollanschluss (Gemeinsamer Anschluss von häuslichem Schmutzwasser und Niederschlagswasser)

  • 1. ATV A 138: Planung, Bau und Betrieb von Anlagen zur Versickerung von Niederschlagswasser (04/2005)
  • 2. DIN 19543: Allgemeine Anforderungen an Rohrverbindungen für Abwasserkanäle und -leitungen (08.82).
Array
sdasdasdasd