Was ist zu tun, wenn die Grundstücksentwässerung nicht dicht ist?

Kann die Dichtheit der Abwasserleitungen nicht nachgewiesen werden, müssen diese saniert werden. Dabei steht der Grundstückseigentümer vor der Frage, welches Sanierungsverfahren jeweils am besten geeignet ist.

Wie kann saniert werden?

Maßgeblich für die Verfahrensauswahl sind die vorgefundenen Schäden – wobei unterschieden werden muss nach Schadensart, Schadensverteilung und Schadensausmaß - sowie die Zugänglichkeit der Leitungen. Dabei ist aus einer Vielzahl von Sanierungsverfahren das technisch geeignetste und wirtschaftlich günstigste auszuwählen.

Die verschiedenen Verfahren zur Sanierung von Abwasserleitungen lassen sich nach dem Umfang der Arbeiten in folgende Verfahrenshauptgruppen unterteilen (Bild 1):

Bild 1: Hauptverfahren zur baulichen Sanierung von Abwasserleitungen der Grundstücksentwässerung (Bild: grundstuecks-entwaesserung.de)

Bild 1: Hauptverfahren zur baulichen Sanierung von Abwasserleitungen der Grundstücksentwässerung (Bild: grundstuecks-entwaesserung.de)

Reparatur

Reparaturen sind Maßnahmen zur Behebung örtlich begrenzter Schäden 1.

Kurzliner

Bei diesem Verfahren wird ein mit einem aushärtbaren Harz getränktes Gewebe (Kurzschlauch) mit Hilfe eines Packers (Blase, die aufgeweitet wird) an der zu reparierenden Schadensstelle positioniert. Anschließend wird der Packer mit Luft gefüllt. Dadurch wird das getränkte Gewebe an die Rohrwandung gepresst, so dass überschüssiges Harz in die Schadensstelle hinein gepresst und eine dauerhafte Abdichtung hergestellt wird. Der Kurzschlauch erhärtet und geht mit der Rohrwandung eine feste Klebeverbindung ein. In der Praxis ergeben sich durch unzureichende Vorbereitung der Rohrwandung häufig Probleme (Animation 1).

Animation 1: Arbeitsgänge beim Einbau eines Kurzliners (Animation: grundstuecks-entwaesserung.de)

Geeignet bei: Innenkorrosion, Undichtigkeit Korrosion in der Rohrverbindung Querriss, Scherbenbildung

Innenmanschetten

Im beschädigten Bereich der Leitung wird eine Stahlmanschette mechanisch verspannt. Diese wird an der Schadensstelle aufgeweitet und dicht an die Rohrwandung gepresst bis der Verschlussmechanismus der Manschette aktiviert wird. Die Abdichtung erfolgt i.d.R. durch eine außenliegende Elastomerdichtung (elastischer Kunststoff), gelegentlich auch durch PU-Schaum- oder Kunstharzklebedichtungen. Es ist zu beachten, dass eine Querschnittseinengung stattfindet. Außerdem muss die Netzgeometrie die Positionierung des Packers zulassen.

Bild 2: Quicklock- Mannchette (Bild: grundstuecks-entwaesserung.de) Bild 3: Snap-Lock-System (Firmeninformation Iseki Utility Products Ltd., Norwich, England.) 

Bild 2 (links oben): Quicklock- Mannchette (Bild: grundstuecks-entwaesserung.de)

Bild 3 (rechts oben): Snap-Lock-System - Innenmanschette aus Stahl mit Elastomerdichtung 2

Animation 2: Einbau einer Edelstahlmanschette (Animation: grundstuecks-entwaesserung.de)

Geeignet bei: Querriss, Scherbenbildung, Undichtigkeit, Wurzeleinwuchs

Roboterverfahren

Bei der Sanierung mittels Roboter wird die Schadensstelle zunächst so weit aufgefräst, dass Reparaturmaterial in ausreichendem Maße aufgebracht werden kann. Zur Abdichtung eines Anschlusses wird beispielsweise der einragende Stutzen abgefräst und anschließend eine Nut in die Rohrwandung gefräst (Animation 3). In einem zweiten Arbeitsschritt wird die Arbeitsstelle mit einer Schalung abgedeckt und der entstehende Hohlraum i.d.R. mit Epoxidharzmörtel verpresst (Animation 4).

Animation 3: KA-TE Roboter Fräsroboter (Animation: grundstuecks-entwaesserung.de)

 

Animation 4: KA-TE Roboter: Manschettensetzgerät (Animation: grundstuecks-entwaesserung.de)

Geeignet bei: Längs-/ Querrisse, Undichtigkeit, Wurzeleinwuchs, Abzweig, Stutzen

Flutungsverfahren

Flutungsverfahren gehören zur Gruppe der Injektionsverfahren und dienen zur Abdichtung undichter Rohrleitungen. Die Abdichtung mittels Flutungsverfahren erfolgt in 2 Arbeitsschritten. Im ersten Schritt wird die gereinigte Leitung vom Schacht aus mit der Lösung A gefüllt. Diese dringt durch die Undichtigkeiten in den Boden ein. Nachdem die Lösung A aus dem Kanal entfernt wurde und dieser erneut gereinigt ist, wird in dem zweiten Arbeitsschritt die Lösung B in den Kanal eingeleitet. Diese tritt ebenfalls durch die Undichtigkeiten in den Boden aus und reagiert hier chemisch mit der Lösung A. Es bildet sich ein verfestigter, dichter Bodenkörper. Die verbliebene Lösung B wird ebenfalls aus dem Kanal entfernt und dieser abschließend gereinigt. Die verfestigten Bodenbereiche stellen in Zusammenspiel mit dem Altrohr die Dichtheit des Kanals wieder her.

Animation 5: Arbeitsablauf beim Flutungsverfahren (Animation: grundstuecks-entwaesserung.de)

 

Renovierung

Unter Renovierung versteht man Maßnahmen zur Verbesserung der aktuellen Funktionsfähigkeit von Abwasserleitungen unter vollständiger oder teilweiser Einbeziehung ihrer ursprünglichen Substanz 1. Renoviert werden i.d.R. Leitungen mit umfangreichen Schäden bei noch erhaltener Rohrgeometrie und wenigen Abzweigen und Bögen

Schlauchlinig

Schlauchlining ist ein Verfahren, bei dem ein flexibler Schlauch, der mit einem aushärtbaren Harz imprägniert ist, in die zu sanierende Leitung eingebracht wird. Nach Aufweitung und Aushärtung entsteht im Sanierungsabschnitt ein neues Rohr. Neben der Dichtheit kann auch die Standsicherheit des Altkanals kann somit wiederhergestellt werden.

In der Regel erfolgt der Einbau über Revisionsöffnungen im Haus oder über Schächte. Daneben besteht die Möglichkeit, mit Robotern die Sanierung der Hausanschlussleitung aus dem städtischen Hauptkanal heraus durchzuführen (Bild 4).

Bild 4: Einbau des imprägnierten Schlauchs mittels LinerGun (Bild: grundstuecks-entwaesserung.de)

Bild 4: Einbau des imprägnierten Schlauchs mittels LinerGun (Bild: grundstuecks-entwaesserung.de)

Geeignet bei: Rissen, Undichtigkeit, Korrosion, (Rohrbruch)

Erneuerung

Unter Erneuerung versteht man die Herstellung neuer Abwasserleitungen in der bisherigen oder einer anderen Linienführung, wobei die neuen Anlagen die Funktion der ursprünglichen Abwasserleitungen und –kanäle einbeziehen 1. Erneuerung wird i.d.R. erforderlich bei starken Schäden und unzugänglichen Grundleitungen

Bohrverfahren 3

Das Bohrverfahren erlaubt die Herstellung neuer Abwasserleitungen, ohne dass Erd- oder Straßenbauarbeiten erforderlich werden (geschlossene Bauweise) (Bild 5).

Die Bohrung kann bei Straßenkanälen mit einer Nennweite ab DN 1200 aus diesen heraus bis in den Keller ausgeführt werden. Bei einem kleineren Querschnitt des Straßenkanals wird dieser vom Keller aus angebohrt. Generell wird ein Schutzrohr aus Stahl mit der Bohrung vorgetrieben. Bei Erreichen des Kellers bzw. der Kanalwand wird diese mit einer besonderen Bohrkrone durchgebohrt (Bild 6)).

Anschließend wird die neue Abwasserleitung in das Schutzrohr eingeschoben. Für den Anschluss an den Kanal wird ein besonderes Formstück verwendet, so dass eine dichte Verbindung entsteht (Bild 7, Bild 8).

 

Bild 5: Bohrverfahren (Bild: grundstuecks-entwaesserung.de) Bild 6: Verfahrensablauf beim Bohrverfahren - Phase I (Bild: grundstuecks-entwaesserung.de)

Bild 7: Verfahrensablauf beim Bohrverfahren - Phase II (Bild: grundstuecks-entwaesserung.de) Bild 8: Verfahrensablauf beim Bohrverfahren - Phase III (Bild: grundstuecks-entwaesserung.de)

Bild 5 (links oben): Bohrverfahren (Bild: grundstuecks-entwaesserung.de)

Bild 6 (rechts oben): Verfahrensablauf beim Bohrverfahren - Phase I (Bild: grundstuecks-entwaesserung.de)

Bild 7 (links unten): Verfahrensablauf beim Bohrverfahren - Phase II (Bild: grundstuecks-entwaesserung.de)

Bild 8 (rechts unten): Verfahrensablauf beim Bohrverfahren - Phase III (Bild: grundstuecks-entwaesserung.de)

Geeignet bei: allen Schäden

Berstlining

Beim Berstlining wird ein Berstkörper durch die zu erneuernde Leitung unter Zerstörung der Rohrwandung durch statische oder dynamische Krafteinleitung und Verdrängung der dabei entstehenden Bruchstücke in den Boden gezogen. Gleichzeitig wird das neue Rohr als Kurzrohr- oder als Langrohrstrang eingezogen (Bild 9, Bild 10).

Bild 9: Prinzipdarstellung des statischen Rohrberstverfahrens - Einzug eines Rohrstranges (Bild: grundstuecks-entwaesserung.de) Bild 10: Prinzipdarstellung des dynamischen Rohrberstverfahrens - Einzug von Kurzrohren (Bild: grundstuecks-entwaesserung.de)

Bild 9 (links): Prinzipdarstellung des statischen Rohrberstverfahrens - Einzug eines Rohrstranges (Bild: grundstuecks-entwaesserung.de)

Bild 10 (rechts): Prinzipdarstellung des dynamischen Rohrberstverfahrens - Einzug von Kurzrohren (Bild: grundstuecks-entwaesserung.de)

Geeignet bei: allen Schäden, Leitungen ohne Seitenanschlüsse

Erneuerung durch Umbau des Entwässerungssystems im Gebäude

Ist die Altleitung unter der Bodenplatte des Hauses derart geschädigt, dass keines der oben angeführten Verfahren angewendet werden kann (z.B. bei dem Schaden Einsturz), so kann durch Umbaumaßnahmen im Keller das Entwässerungssystem wieder hergestellt werden. Eine Möglichkeit besteht darin, die alte Leitung unter der Bodenplatte stillzulegen und durch ein neues, unter der Kellerdecke abgehängtes Leitungssystem mit Revisionsöffnungen zu ersetzen. (Bild 11). Die neuen Leitungen können aber auch in einer speziell hergestellten Leitungsrinne (U-Profil aus Beton mit Abdeckung) in der Kellersohle verlegt werden. Beide Lösungen sind durch die gute Zugänglichkeit instandhaltungsgerecht, d.h. die Leitungen sind später leicht zu inspizieren und im Bedarfsfall zu sanieren.

Bild 11: Rohrführung abgehängt unter Kellerdecke oder entlang Kellerwand  (Bild: grundstuecks-entwaesserung.de)

Bild 11: Rohrführung abgehängt unter Kellerdecke oder entlang Kellerwand (Bild: grundstuecks-entwaesserung.de)

Geeignet bei: Schäden der Grundleitungen unter Bodenplatte

Auswahl eines Sanierungsverfahrens

Bei der Wahl eines geeigneten Sanierungsverfahrens ist eine fachliche Beratung unbedingt notwendig. Die Einsatzbereiche der verschiedenen Sanierungsverfahren überschneiden sich häufig und können aufgrund der sehr unterschiedlichen Konstellationen von Randbedingungen nur schwer pauschalisiert werden. So stellt sich z.B. häufig in der Praxis heraus, dass eine Sanierung von Abwasserleitungen erst durch die Kombination aus verschiedenen Sanierungsverfahren zu einem guten Ergebnis führt.

Bei der Verfahrensauswahl sind vor allem folgende Aspekte zu berücksichtigen:

  • Grundwasserstand
  • Bodenart
  • Leitungsalter
  • Nennweite und Werkstoff der Leitung
  • Leitungsverlauf
  • Zugänglichkeit
  • Schadensart und -umfang
  • Möglichkeit zur Stilllegung von Entwässerungsgegenständen
  • Anzahl und Krümmungsgrad der Bögen

Bei der Erstellung des Sanierungskonzeptes sollte unbedingt ein unabhängiger, fachkundiger Berater hinzugezogen werden, denn die Praxis hat gezeigt, dass eine unsachgemäß ausgeführte Sanierung sehr zeit- und kostenaufwändig werden kann. Richtet man die Anfrage direkt an ein ausführendes Unternehmen, so wird dieses u.U. nur Sanierungsverfahren aus seiner Leistungspalette vorschlagen, unabhängig davon ob diese für die Maßnahme optimal sind. Besonders beim Flutungsverfahren ist darauf zu achten, dass vorab eine Wasserfüllstandsprüfung durchgeführt wird, sonst sind die einzufüllenden Lösungsmengen – und damit die Kosten – unkalkulierbar. Die Injizierfähigkeit des Bodens in der Leitungszone ist vorab zu überprüfen.

Bei der Beauftragung ist darauf zu achten, dass das zur Ausführung kommende Verfahren die bauaufsichtlichte Zulassung des Deutschen Institutes für Bautechnik (DIBt) hat. Das Zulassungsverfahren beinhaltet umfangreiche Produktprüfungen und garantiert dem Verbraucher verlässlich die Brauchbarkeit eines Bauproduktes.

Unabhängig vom gewählten Verfahren ist nach Beendigung der Sanierungsmaßnahmen eine Dichtheitsprüfung des sanierten Leitungssystems durchzuführen.

  • 1. a. b. c. DIN EN 752-5: Entwässerungssysteme außerhalb von Gebäuden - Teil 5: Sanierung (11.1997).
  • 2. Firmeninformation Iseki Utility Products Ltd., Norwich, England.
  • 3. Stein, D.: Grabenloser Leitungsbau. ISBN 3-433-01778-6, Verlag Ernst & Sohn, Berlin 2003.

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