Wie kann man die Dichtheit im Bestand prüfen?

Zum Nachweis der Dichtheit werden laut Landesbauordnung verschiedene Verfahren zugelassen:

  • Optische Inspektion mittels Kamerabefahrung
  • Prüfungen mit Wasser oder Luft als Prüfmedium.

Die Kommune kann in der Entwässerungssatzung vorgeben, welches Prüfverfahren sie für den Dichtheitsnachweis der Grundstücksentwässerungsanlagen fordert.

Ist die optische Inspektion als Dichtheitsnachweis zugelassen, so gilt die Leitung als dicht, wenn die Leitung keine sichtbaren Mängel (Riss- und Scherbenbildung, Einbrüche, relevanten Muffenversätze, Abflusshindernisse, Wurzeleinwüchse , Verformungen, Grundwasserinfiltration ) aufweist. Der Nachweis der absoluten Dichtheit des Kanals wird nicht verlangt.

Vorbereitende Maßnahmen

Unabhängig von der Prüfmethode müssen zur Gewährleistung einer aussagefähigen Dichtheitsprüfung insbesondere folgende Arbeitsschritte erledigt werden:

  • Da mit der Dichtheitsprüfung das gesamte Schmutz- bzw. Mischwassernetz des jeweiligen Grundstückes erfasst werden muss ist vorab der Leitungsverlauf festzustellen und dieser – falls keine aktuellen Unterlagen vorliegen - zu dokumentieren.
  • Zur Durchführung der Dichtheitsprüfung muss die Zugänglichkeit der Leitungen gewährleistet sein, d.h. z.B. Schächte müssen von Bepflanzungen freigeräumt und Regale über Revisionsöffnungen im Keller müssen weggeräumt werden.
  • Damit die Kamera durch die Leitungen gefahren, geschoben oder gespült werden kann bzw. die Absperrblasen dicht an der Rohrwandung sitzen, müssen die Leitungen ggf. gereinigt werden. Einige Kamerasysteme führen die Reinigung auch schon in einem Arbeitsgang mit der Inspektion durch.
  • Da während der Untersuchung der normale Abfluss in den Leitungen nicht möglich ist, muss für diesen Zeitraum eine Lösung konzipiert werden (z.B. keine Nutzung der Entwässerungsgegenstände während der Prüfdauer, keine Prüfung während eines Regenereignisses).

Optische Inspektion mittels Kanalfernsehkamera

Abwasserleitungen zur Grundstücksentwässerung haben in der Regel

  • kleine Rohrurchmesser 100 bis 250 mm (DN100-250),
  • viele Krümmer und Abzweige,
  • schlechte Zugänglichkeit.

Speziell für diesen Anwendungsfall wurden einige kleine und flexible Kamerasysteme entwickelt, die sich unterscheiden hinsichtlich

  • Einsatzbereich (Rohrdurchmesser und Abzweige),
  • Erfassungsgrad (durch Kamerasysteme inspizierbarer Anteil des Netzes),
  • Erfassungsqualität (Aufnahmebereich des Rohrumfangs, Bildqualität, Qualität der Dokumentation).

Schiebekamera

Der Einsatz einer Schiebekamera ist dadurch gekennzeichnet, dass ein Kamerakopf mittels einer flexiblen Stange oder eines Röhrenaals händisch durch die zu untersuchende Leitung geschoben wird. Als Kamerakopf ist je nach Modell eine Dreh-/ Schwenkkopfkamera oder eine starre Axialsichtkamera montiert (Bild 1) (Bild 2).

Bild 1: Schiebekamera (Firmeninformation IMS mbH) Bild 2: Dreh-/Schwenkkopfkamera (Firmeninformation JT electronic GmbH, Lindau]

Bild 1 (links): Schiebekamera (Axialsichtkamera) 1

Bild 2 (rechts): Dreh-/Schwenkkopfkamera 2

Zur optischen Inspektion eignen sich Schiebekameras besonders bei Leitungsdurchmessern < DN 80 oder kleinen Reinigungsöffnungen (Animation 1).

Animation 1: Inspektion mittels Schiebekamera (Animation: grundstuecks-entwaesserung.de)

Da eine Einlenkung in verzweigte Rohrsysteme nicht möglich ist, muss die Untersuchung ggf. von verschiedenen Punkten aus durchgeführt werden. Für eine vollständige Inspektion sollten die Endpunkte von abzweigenden Leitungen (z.B. WC, Waschbecken) zugänglich sein.

Fahrwagenkamera

Bei ausreichendem Leitungsdurchmesser (je nach Kamerasystem größer / gleich DN 100) und Strecken ohne Abzweige werden am häufigsten Fahrwagenkameras eingesetzt (Bild 3). Es handelt sich dabei um ferngesteuerte Fahrwagen, auf denen eine zumeist dreh- und schwenkbare Kamera montiert ist. Die Stromversorgung kann sowohl extern durch ein mitgeführtes Kabel als auch durch eine eingebaute Batterie erfolgen. Im Rahmen der Videoaufzeichnung lassen sich die vorhandenen Leitungen inklusive der Schadensstellen orten und einmessen.

Bild 3. Fahrwagen mit Dreh-Schwenkkopfkamera (Firmeninformation JT electronic GmbH, Lindau)

Bild 3: Fahrwagen mit Dreh-Schwenkkopfkamera 2

Satellitenkamera

Satellitenkameras bieten die Möglichkeit, von einem nichtbegehbaren Kanal aus eine Hausanschlussinspektion durchzuführen (Bild 4). Bei diesem Inspektionssystem wird zusätzlich zur Kamera auf dem Fahrwagen eine spezielle Satelliten- Kanalfernsehkamera installiert. Letztere lässt sich vom Hauptkanal aus bis zu 20 m 3 in die seitlich zulaufenden Leitungen hineinfahren.

Bild 4: Satellitenkamera (Bild: grundstuecks-entwaesserung.de) Animation 2: Inspektion mittels Satellitenkamera (Animation: grundstuecks-entwaesserung.de)

Bild 4 (links): Satellitenkamera (Bild: grundstuecks-entwaesserung.de)

Animation 2 : Inspektion mittels Satellitenkamera (Animation: grundstuecks-entwaesserung.de)

Satellitenkamera als Spülkamera

Spülkameras stellen ein kombiniertes Reinigungs- und Inspektionssystem dar (Bild 5). Die Kamera ist am Ende eines Hochdruckschlauches befestigt und wird über Hochdruckwasserstrahlen vorgetrieben. Der hydraulische Antrieb lässt das System nicht nur reibungsarm über Versätze und Bögen gleiten, sondern er reinigt die Leitung zugleich.

Bild 5: Kanalfernsehkamera mit hydraulischem Antrieb (Firmeninformation KIPP Umwelttechnik GmbH, Bielefeld. )

Bild 5: Kanalfernsehkamera mit hydraulischem Antrieb 4

Neuentwicklungen

Angesichts der besonderen Anforderungen bei der Inspektion von Grundstücksentwässerungsleitungen entstanden in den letzten Jahren verschiedene neue Inspektionssysteme, die Weiterentwicklungen der Sattelitenkameras darstellen. Diese Neuentwicklungen haben folgende Zielsetzungen gemeinsam:

  • Erfassung möglichst des gesamten Netzes der Grundstücksentwässerung von einem Punkt aus
  • Befahrung möglichst vom öffentlichen Kanal aus, so dass auf die Schaffung zusätzlicher Öffnungen z.B. im Keller verzichtet werden kann
  • Befahrung von Rohleitungen mit kleinen Nennweiten größer / gleich ab DN 100
  • Befahrung von Bögen und Abzweigen
  • Gute Dokumentation

„Aaligator“ 5

Der „Aaligator“ (Bild 6) ist ein hydraulisch angetriebenes Kamerasystem. Am Kamerakopf seitlich angebrachte Düseneinsätze, ermöglichen auch ein Abbiegen in abzweigende Leitungen.

Bild 6: Kamerasystem 'Aaligator' (Firmeninformation Schwarz Umweltservice GmbH, Bielefeld .)

Bild 6: Kamerasystem 'Aaligator' 6

„Göttinger ZK-Kanalwurm“ 7

Der „Göttinger ZK-Kanalwurm 70/500“ (Bild 7) wird hydraulisch angetrieben und kann seitlich um bis zu 90° abgewinkelt werden. Dadurch kann der „Wurm“ bei gleichzeitigem Vorschub in abzweigende Leitungen eingefahren werden. Das neueste Modell ist mit einer Dreh-/Schwenkkopf-Kamera ausgerüstet, so dass einzelne Schäden abgeschwenkt werden können.

Bild 7: Göttinger-ZK-Kanalwurm - Kamera-Kopf (Bild: grundstuecks-entwaesserung.de)

Bild 7: Göttinger-ZK-Kanalwurm - Kamera-Kopf (Bild: grunsstuecks-entwaesserung.de)

„Lindauer Schere“ 2

Das Satellitensystem „Lindauer Schere“ (Bild 8, Animation 3) ist mit einer Dreh-/ Schwenkkopf-Kamera und daran montierter, ausfahrbarer Scherenmechanik ausgestattet. Die Schere lässt sich in abzweigende Leitungen ausfahren. Dadurch wird das System beim weiteren Vorschub in den Abzweig abgelenkt. Nach dem „Einbiegen“ wird die Schere wieder zurückgezogen.

Bild 8: Lindauer Schere - Satelliten-Kamera mit Farb-Dreh-Schwenkkopf und mechanischer Einfädelungshilfe  (Bild: grundstuecks-entwaesserung.de) 

Bild 8 (links): Lindauer Schere - Satelliten-Kamera mit Farb-Dreh-Schwenkkopf und mechanischer Einfädelungshilfe (Bild: grundstuecks-entwaesserung.de)

Animation 3 : Inspektion mittels lenkbarer Satellitenkamera (Animation: grundstuecks-entwaesserung.de)

„Kieler Stäbchen“ 8

Beim ORION L („Kieler Stäbchen“) (Bild 9) dient ein am Kamerakopf befestigter Führungsstab zum Einlenken der Kamera in die Abzweige. Der Führungsstab wird dabei durch Drehen des Kamerakopfes in Abzweige eingefädelt.

Bild 9: Satelliten-Kamera mit Führungseinheit (Bild: grundstuecks-entwaesserung.de)

Bild 9: Satelliten-Kamera mit Führungseinheit (Bild: grundstuecks-entwaesserung.de)

  • 1. Firmeninformation IMS mbH, Ottendorf-Okrilla.
  • 2. a. b. c. Firmeninformation JT electronic GmbH, Lindau.
  • 3. Firmeninformation Rausch GmbH & Co, Weißensberg.
  • 4. Firmeninformation KIPP Umwelttechnik GmbH, Bielefeld.
  • 5. Firmeninformation Schwarz Umweltservice GmbH, Bielefeld
  • 6. Firmeninformation Schwarz Umweltservice GmbH, Bielefeld.
  • 7. Firmeninformation IMS mbH, Ottendorf-Okrilla.
  • 8. Firmeninformation IBAK Helmut Hunger GmbH & Co. KG, Kiel.

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